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Beschreibung
VorwortWährend meiner 35 Jahre als akademischer Lehrer auf dem Gebiet der Sportgeschichte habe ich meinen Studenten immer die Wichtigkeit von Quellen vorgestellt. Regelmäßig war jedes Semester eine meiner Lehrveranstaltungen der kritischen Lektüre von Quellentexten gewidmet. Meist handelte es sich um Texte aus dem Altertum, die ich den Sportstudenten in deutscher Übersetzung anbot, da die wenigsten die Kenntnis des Lateinischen, die allerwenigsten die des Griechischen und nur ein einziger einmal die der ägyptischen Hieroglyphen vorweisen konnten.Einige wenige Male - leider immer weniger in den letzten Jahren - hatte ich das Vergnügen, mit Studenten der Griechischen und Lateinischen Philologie Originaltexte lesen zu können. Ich zähle diese Veranstaltungen zu den Höhepunkten meiner Lehrtätigkeit. Sie erinnern mich an eigene Sternstunden, die ich als Student durch die Lektüre agonistischer Inschriften in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bei Reinhold Merkelbach erleben durfte. Bei der Vorbereitung der Seminare war ich selbstverständlich gehalten, die Originale heranzuziehen. So habe ich im Verlauf von mehr als drei Jahrzehnten eine große Anzahl von sporthistorischen Quellen studiert. Diese bezogen sich nicht nur auf die antiken Olympischen Spiele, ein bei den Studenten verständlicherweise beliebtes Thema, sondern waren vielen anderen Themen der altägyptischen, griechischen und römischen Sportkultur [...] nur wegen meiner ägyptologischen Vorbildung, die mit dem Studium der Klassischen Philologie verbunden war, hat mich Ägypten besonders angezogen, sondern auch wegen der Tatsache, daß die pharaonische Kultur die ältesten Quellen zur Sportgeschichte liefert und der Frage nach dem Ursprung des Sports weitaus näher steht, als es z. B. die ältesten griechischen Dokumente sind. Darüber hinaus reizten mich aber auch die mehrfachen Kulturbrüche im Niltal: Mit der Eroberung durch Alexander den Großen und die anschließende ptolemäische Epoche dominierte eine andere Kultur für drei Jahrhunderte Ägypten, ohne indes die alten Traditionen zu eliminieren. Ähnlich verhält es sich mit der römischen Herrschaft, die die griechische ablöste, ohne daß das tägliche Leben einer hellenischen Oberklasse merklich gestört worden wäre; und auch Rom respektierte das ehrwürdige Alter der pharaonischen Kultur, die beispielsweise im Kult weiterbestand. Das griechische Element meldete sich noch einmal, auch sporthistorisch, zu Wort in Gestalt der byzantinischen Kultur, bis die arabische Eroberung einen stärkeren Kulturbruch bewirkte als alle zuvor im Lande erlebten. Es wäre zweifellos von hohem Reiz gewesen, auch die arabischen Quellen sporthistorisch auszuwerten, läßt sich doch erwarten, daß im Volksleben manches überlebt hat, was auf uralten Traditionen fußt. Wie die jährlichen Überschwemmungen des Nils (bis zur Anlage von modernen Staudämmen) das Land in einer unvergleichlichen Weise prägten und eine Kontinuität sui generis schufen, dürfte das bäuerliche Leben auch Festbräuche (mit sportlichen Elementen) tradiert haben, die Jahrtausende alt sind. Der Herausgeber dieser Quellensammlung muß dieses Desideratum den Kollegen der Orientalistik überlassen, da er selbst des Studiums arabischer Quellen nicht mächtig ist. Auch existiert meines Wissens keine Sekundärliteratur, die sich auf die Sportgeschichte der letzten 1300 Jahre (oder auf eine Epoche innerhalb dieser Zeitspanne) bezöge. Mit der hier publizierten Sammlung liegt ein Versuch vor, meine langjährige Beschäftigung mit sporthistorischen Quellen aus dem Niltal, die - wie ich meine - nicht nur wegen der longue durée von hoher Spannung sind, in einem Quellenwerk zu vereinen. Der unmittelbare Einblick, den die griechischen papyrologischen Quellen in das agonistische Leben der hellenischen Kultur erlauben, darf in der Geschichte des Sports ohne Abstriche als einmalig bezeichnet werden. Oft genug werfen sie auch Licht auf das Alltagsleben und sind eingebettet in die sozio-kulturelle Welt.
VorwortWährend meiner 35 Jahre als akademischer Lehrer auf dem Gebiet der Sportgeschichte habe ich meinen Studenten immer die Wichtigkeit von Quellen vorgestellt. Regelmäßig war jedes Semester eine meiner Lehrveranstaltungen der kritischen Lektüre von Quellentexten gewidmet. Meist handelte es sich um Texte aus dem Altertum, die ich den Sportstudenten in deutscher Übersetzung anbot, da die wenigsten die Kenntnis des Lateinischen, die allerwenigsten die des Griechischen und nur ein einziger einmal die der ägyptischen Hieroglyphen vorweisen konnten.Einige wenige Male - leider immer weniger in den letzten Jahren - hatte ich das Vergnügen, mit Studenten der Griechischen und Lateinischen Philologie Originaltexte lesen zu können. Ich zähle diese Veranstaltungen zu den Höhepunkten meiner Lehrtätigkeit. Sie erinnern mich an eigene Sternstunden, die ich als Student durch die Lektüre agonistischer Inschriften in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bei Reinhold Merkelbach erleben durfte. Bei der Vorbereitung der Seminare war ich selbstverständlich gehalten, die Originale heranzuziehen. So habe ich im Verlauf von mehr als drei Jahrzehnten eine große Anzahl von sporthistorischen Quellen studiert. Diese bezogen sich nicht nur auf die antiken Olympischen Spiele, ein bei den Studenten verständlicherweise beliebtes Thema, sondern waren vielen anderen Themen der altägyptischen, griechischen und römischen Sportkultur [...] nur wegen meiner ägyptologischen Vorbildung, die mit dem Studium der Klassischen Philologie verbunden war, hat mich Ägypten besonders angezogen, sondern auch wegen der Tatsache, daß die pharaonische Kultur die ältesten Quellen zur Sportgeschichte liefert und der Frage nach dem Ursprung des Sports weitaus näher steht, als es z. B. die ältesten griechischen Dokumente sind. Darüber hinaus reizten mich aber auch die mehrfachen Kulturbrüche im Niltal: Mit der Eroberung durch Alexander den Großen und die anschließende ptolemäische Epoche dominierte eine andere Kultur für drei Jahrhunderte Ägypten, ohne indes die alten Traditionen zu eliminieren. Ähnlich verhält es sich mit der römischen Herrschaft, die die griechische ablöste, ohne daß das tägliche Leben einer hellenischen Oberklasse merklich gestört worden wäre; und auch Rom respektierte das ehrwürdige Alter der pharaonischen Kultur, die beispielsweise im Kult weiterbestand. Das griechische Element meldete sich noch einmal, auch sporthistorisch, zu Wort in Gestalt der byzantinischen Kultur, bis die arabische Eroberung einen stärkeren Kulturbruch bewirkte als alle zuvor im Lande erlebten. Es wäre zweifellos von hohem Reiz gewesen, auch die arabischen Quellen sporthistorisch auszuwerten, läßt sich doch erwarten, daß im Volksleben manches überlebt hat, was auf uralten Traditionen fußt. Wie die jährlichen Überschwemmungen des Nils (bis zur Anlage von modernen Staudämmen) das Land in einer unvergleichlichen Weise prägten und eine Kontinuität sui generis schufen, dürfte das bäuerliche Leben auch Festbräuche (mit sportlichen Elementen) tradiert haben, die Jahrtausende alt sind. Der Herausgeber dieser Quellensammlung muß dieses Desideratum den Kollegen der Orientalistik überlassen, da er selbst des Studiums arabischer Quellen nicht mächtig ist. Auch existiert meines Wissens keine Sekundärliteratur, die sich auf die Sportgeschichte der letzten 1300 Jahre (oder auf eine Epoche innerhalb dieser Zeitspanne) bezöge. Mit der hier publizierten Sammlung liegt ein Versuch vor, meine langjährige Beschäftigung mit sporthistorischen Quellen aus dem Niltal, die - wie ich meine - nicht nur wegen der longue durée von hoher Spannung sind, in einem Quellenwerk zu vereinen. Der unmittelbare Einblick, den die griechischen papyrologischen Quellen in das agonistische Leben der hellenischen Kultur erlauben, darf in der Geschichte des Sports ohne Abstriche als einmalig bezeichnet werden. Oft genug werfen sie auch Licht auf das Alltagsleben und sind eingebettet in die sozio-kulturelle Welt.
Details
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Geschichte
Rubrik: Geisteswissenschaften
Medium: Taschenbuch
Inhalt: 224 S.
ISBN-13: 9783942468039
ISBN-10: 3942468034
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Decker, Wolfgang
Auflage: 1/2012
Hersteller: Arete Verlag
Verantwortliche Person für die EU: Arete Verlag, Christian Becker, Elisabethgarten 31, D-31135 Hildesheim, becker@arete-verlag.de
Maße: 240 x 170 x 15 mm
Von/Mit: Wolfgang Decker
Erscheinungsdatum: 31.01.2013
Gewicht: 0,429 kg
Artikel-ID: 112405863